


Frauen verdienen in Österreich durchschnittlich 17,6 % weniger als Männer.
Lohntransparenz, verpflichtende Einkommensberichte und eine Aufwertung von klassischen „Frauenberufen“ sind zentrale Hebel, um gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit umzusetzen, und den Gender Pay Gap endlich in die Geschichtsbücher zu verbannen.
Denn Einkommen darf nicht vom Geschlecht abhängen, sondern von Qualifikation und Leistung.
Frauen arbeiten viel. Im Schnitt sogar mehr als Männer, aber deutlich mehr davon unbezahlt. Noch immer übernehmen überwiegend Frauen längere Karenzzeiten und den Großteil der Sorgearbeit. Aktuell geht etwa nur einer von 100 Männern länger als sechs Monate in Karenz. Auch der Bezug des Kinderbetreuungsgeldes ist ungleich auf die Geschlechter verteilt. Nur 3,6 % der Bezieher:innen sind männlich.
Die Folgen zeigen sich im gesamten Erwerbsverlauf: Frauen arbeiten deutlich häufiger Teilzeit, mit 51 % mehr als jede Zweite, bei Männern sind es nur 13,7 %. In Folge erhalten Frauen eine durchschnittliche Pension von 1.563 €, Männer beziehen 2.620 €.
Oft ist das keine freie Entscheidung, bei 60 % der Frauen in Teilzeit ist es eine Frage der Rahmenbedingungen, etwa mangelnder Kinderbildungseinrichtungen oder ungleich verteilter Sorgearbeit.
Statt Frauen für vermeintlich „individuelle Entscheidungen“ zu kritisieren, braucht es strukturelle Lösungen: flächendeckende, institutionelle und vollzeitkompatible Kinderbildungseinrichtungen, partnerschaftliche Karenzmodelle und eine faire Aufteilung von Sorgearbeit.
Wenn Erwerbs- und Sorgearbeit gerecht verteilt wird, bleiben Frauen stärker im Beruf, erzielen höhere Einkommen und in Folge bessere Pensionen. Das schafft Sicherheit im Alter und ermöglicht echte Selbstbestimmung.
Frauen sind in wirtschaftlichen Führungspositionen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert, obwohl sie gleich gut qualifiziert sind, wie Männer und sogar häufiger einen Hochschulabschluss haben. Zum Beispiel hat kein einziges ATX-Unternehmen (das sind die größten und meistgehandelten Firmen an der Wiener Börse) in Österreich eine Frau an der Spitze.
Gerecht ist, wenn sich Qualifikation, Leistung und Erfahrung auch in den Führungsetagen widerspiegeln und nicht das Geschlecht darüber entscheidet, wer am Tisch sitzt und wer nicht.
Mit der Women on Boards Richtlinie (EU-Richtlinie zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen, damit ihre Kompetenz auch gewürdigt wird) wird die Vertretung von Frauen in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen deutlich gestärkt. Künftig müssen Aufsichtsräte zu mindestens 40 Prozent aus Frauen und zu mindestens 40 Prozent aus Männern bestehen.
Quoten sind dabei ein essenzieller Hebel, um auch die höchsten Positionen für Frauen zugänglich zu machen und strukturelle Hürden abzubauen, damit Führung künftig nicht vom Geschlecht abhängt, sondern vom Können.

Gleichstellung und Feminismus nehmen Männern nichts weg, sondern geben ihnen mehr Möglichkeiten, ihr Leben freier zu gestalten und sorgen für Fairness. Denn auch männliche Lebensrealitäten sind stark von gesellschaftlichen Erwartungen und strukturellen Rahmenbedingungen geprägt.
Viele Entscheidungen, die heute als „typisch männlich“ gelten — keine Karenz nehmen und kaum Zeit mit der Familie, Hauptverdiener sein, Emotionen verstecken — entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie sind Ergebnis von veralteten Rollenbildern, Arbeitskulturen und fehlenden Möglichkeiten. Ziel ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es beiden Elternteilen ermöglichen, gleichberechtigt an Erwerbs- und Familienleben teilzunehmen und so als starke, positive Vorbilder für ihre Kinder und somit die nächste Generation zu wirken. ²
Veraltete, traditionelle Erwartungen an Männer sind bis heute oft eng definiert: karriereorientiert, emotional zurückhaltend, finanziell hauptverantwortlich. Diese Rollenbilder erzeugen nachweislich psychischen Druck und prägen Lebensentscheidungen – unabhängig von individuellen Bedürfnissen. Wenn drei Viertel aller Suizide Männer betreffen, zeigt das: Gleichstellungspolitik ist auch Männergesundheitspolitik.
Gleichstellungspolitik bedeutet deshalb auch, männliche Rollenbilder zu erweitern: Sorgearbeit kann und soll als selbstverständlichen Teil von starker Männlichkeit sichtbar werden. Das ermöglicht Vätern etwa mehr Zeit mit Kindern und Angehörigen und stärkt langfristig Beziehungen und Bindung. Zudem zeigen Studien, dass Männer in einer gleichberechtigteren Gesellschaft gesünder und länger leben.
Wenn Gleichstellung strukturell gestärkt wird, entsteht Raum für moderne Männlichkeiten. ²
Gleichstellung ist nicht nur eine Frage von Fairness, sondern ein klarer Standort- und Wettbewerbsfaktor.
Frauen sind hoch qualifiziert, wer auf sie verzichtet, verzichtet auf die klügsten Köpfe aus mehr als der Hälfte der Bevölkerung! Höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen vergrößert das Arbeitskräfteangebot und ist dadurch ein entscheidender Faktor angesichts des Fachkräftemangels. ³
Unternehmen mit höherem Frauenanteil in Führungsgremien zeigen größere Erfolge und nachhaltigeres Wachstum.
Vielfältig zusammengesetzte Teams treffen ausgewogenere Entscheidungen, bewerten Risiken realistischer und erschließen neue Märkte und Perspektiven.
Wenn Unternehmen also nachhaltigen Erfolg wollen, müssen sie Führungsstrukturen so gestalten, dass sie allen die gleichen Chancen bieten – unabhängig vom Geschlecht. ⁴
Divers besetzte Führungsgremien treffen häufiger klima- und verantwortungsbewusste Entscheidungen.
Studien zeigen: Unternehmen mit höherer Geschlechtervielfalt reduzieren tendenziell Emissionen und wirtschaften langfristiger. Gleichstellung wirkt damit nicht nur als wirtschaftlicher, sondern auch als ökologischer Faktor.
Kurz gesagt: Frauen in Führungspositionen sorgen für zukunftsfähige und zukunftsfitte Unternehmen.⁵
